Mein neuer Lieblingsplatz…

… ist der Sessel im Schaufenster von Naimas neuem Woll-Laden in Hamburg (Weidenallee 12). Dort habe ich heute Asyl bekommen, weil ich meine Kleine gerade in die Kita eingewöhne und mich in der Nähe aufhalten muss. Und frau kann ja nicht ständig beim Portugiesen Kaffee trinken, oder? Im Wollgeschäft zu stricken, ist einfach nett, weil es dort einfach was Selbstverständliches hat. Und wenn dann noch andere nette Strickerinnen vorbeikommen (so wie heute früh), ist es natürlich doppelt so schön. Mal sehen, vielleicht bin ich morgen wieder da und spiele Ausstellungsstück!

Wieder da!

Habe lange nichts mehr hier geschrieben – aber dafür gibt es einen guten Grund: Ich war schwanger und konnte einfach nicht stricken. Vom Geruch von Wolle oder Wollwaschmittel wurde mir jedes Mal schlecht, und vom Stricken selbst auch. Aber jetzt geht’s wieder. Ich habe sogar schon vor der Geburt meiner Tochter im Dezember eine dicke Babydecke und ein Jäckchen gestrickt. Und jetzt, wo sie da ist und fast den ganzen Tag schläft (toi, toi, toi) habe ich meine UFOs aus dem Schrank gekramt und stricke. Oh ja, und es macht mich wirklich glücklich. Mehr demnächst!

Wollfabrik und Färbe-Frust

Letzten Montag konnte ich nicht widerstehen: Hab mich in den Bus gesetzt und mich aufgemacht zum Lagerverkauf der Hamburger Wollfabrik. Weil es ein ziemlich spontaner Entschluss war, hab ich mein Bargeld und mein Busticket zuhause liegen lassen. Die Geheimzahl meiner EC-Karte für Spaßeinkäufe hab ich zwar extra nochmal nachgeguckt, aber beim Bezahlen stellte sich heraus, dass es die falsche war. Zum Glück hatte ich eine weitere Karte mit – die vom gemeinsamen Konto mit meinem Mann. Peinlich, peinlich – ich hab es nicht so gern, wenn er genau nachprüfen kann, wofür ich mein Taschengeld ausgebe. Und Schwarzfahren ist auch nicht so mein Ding. Genausowenig, wie ewig lang am Hamburger ZOB herumstehen zu müssen, zusammen mit rauchenden, in Ballonseide gewandeten Menschen mit falschen Fingernägeln. Abgesehen davon war es ein voller Erfolg: Ich habe eine Ein-Kilo-Kone Alpaka-Merino-Garn in wunderschönem Hellgrau gekauft, ein dunkelgraues Kaschmir-Merino-Gemisch und eine Kone Sockengarn zum Färben.

Es war unglaublich viel los, obwohl die Wollfabrik für Hamburger Verhältnisse wirklich am Hintern der Welt liegt. Viele Damen, die ihre Ehemänner überredet hatten, mit ihnen zum Lagerverkauf zu fahren. Ein paar Frauen mit schwarzgefärbten Haaren, die Konenweise Glitzergarn in die Körbe packten. Ich glaube, ich war die mit Abstand jüngste Kundin an diesem Tag. Stricken ist in Deutschland eben immer noch eher etwas für Großmütter.

Das Sockengarn hat inzwischen ein Bad in den Färbetöpfen genommen und sieht jetzt so aus:

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Glücklich bin ich damit aber nicht. Das Garn (80 Prozent Wolle, 20 Prozent Polyamid) besteht aus unterschiedlichen Fäden, die die Farbe nicht gleichmäßig annehmen – daher die leichte Tweed-Optik. Und das Rot hat ewig ausgeblutet, also wird die Wolle wahrscheinlich abfärben, wenn man sie wäscht.

Nach dieser Färbeaktion beschlich mich plötzlich Paranoia: Könnte es vielleicht sein, dass die Ashford-Säurefarben giftig, krebserregend oder beides sind? Ich hatte nämlich bisher immer, ohne mir was dabei zu denken, unsere normalen Kochtöpfe fürs Färben benutzt. Warnhinweise à la: Achtung, bitte kein Kochgeschirr verwenden! Stehen auf der Packung nämlich nicht drauf. Ich trage zwar immer Gummihandschuhe dabei, wische alles gründlich ab, werfe die Lappen sofort in die Waschmaschine und spüle die Töpfe supergründlich, aber wer weiß? Im Netz gibt es einige Färber, die behaupten, man dürfe Färbetöpfe auf keinen Fall fürs Kochen verwenden. Sogar mein Mann, der mal Chemie studiert hat und normalerweise hart im Nehmen ist bei sowas, fand es besser, wenn ich mir extra Färbetöpfe kaufe (das Budget dafür wurde sofort bewilligt). Am Wochenende hab ich dann versucht, ein Knäuel mit gelber und roter Ostereierfarbe (Lebensmittelfarbe, Ökotest sehr gut) zu färben. Die Wolle wurde ziemlich knallig und färbte trotz mehrmaligen Durchkochens auch im trockenen Zustand ab. Darum hab ich jetzt gelbe Fingernägel und eine gelbe Computertastatur. Da blieb nur eins: Ab in den Mülleimer damit. Und ich warte jetzt auf mein neues Färbe-Topfset, in dem ich dann wieder die gute Chemie einsetzen kann. Leider wird Amazon es erst Ende April verschicken. Aber wenn ich ehrlich bin, hab ich von der Kleckerei jetzt eh erstmal genug.

Das Oma-Problem

Jetzt habe ich ein Strick-Problem, das gleichzeitig ein Zwischenmenschliches ist: Meine Oma wird am 1. Mai stolze 83 Jahre alt. Sie ist begeisterte Stickerin (ohne r!) und verbringt ihre gesamte Zeit mit filigraner Hardanger- und Kreuzstichstickerei. Nebenher strickt sie für ihre Urenkel Söckchen, aber ich habe den Verdacht, dass sie das nur aus Pflichtgefühl tut und nicht, weil sie es mag. Nun habe ich ja meiner Mutter neulich einen Clapotis aus Wollmeise-Sockenwolle gestrickt, den meine Oma sehr schön fand. Dann hat sie wohl geäußert, dass sie selbst auch so einen machen wolle. Ich hab ihr also die deutsche Anleitung aus dem Internet geholt, ihr mehrere fertig gewickelte Wollmeise-Knäule zur Auswahl mitgebracht und ihr dann zwei davon geschenkt. Jetzt, an Ostern, hab ich sie wieder getroffen – sie hat den Clapotis noch nicht angefangen, und obwohl ich ihr das Muster erklärt habe, hat sie die Anleitung wohl nicht ganz verstanden… Und nun frage ich mich, ob ich ihr zum Geburtstag einen Clapotis stricken soll oder lieber etwas Anderes. Einerseits wüsste ich beim Clapotis, dass sie ihn schön findet – andererseits suggeriere ich ihr damit, dass ich ihr nicht zutraue, selbst einen zu machen. Wenn sie eh keine Lust dazu hätte (was ich vermute), wäre das okay, aber sonst wäre es nicht so nett. Einen Clapotis bekäme ich recht schnell hin, das wäre auch ein Vorteil. Wenn ich erst ein neues Muster lernen müsste, würde es wohl länger dauern. Und ich könnte auch nicht sicher sein, dass ihr das Ergebnis gefällt. Vielleicht stricke ich ihr doch lieber was zu Weihnachten? Darauf wird es wahrscheinlich hinauslaufen…

Mein wunderbarer Woll-Wickler

Obwohl ich gerade gelernt habe, per Hand richtig hübsche Knäule zu wickeln, die man sogar von Innen heraus stricken kann, habe ich mir einen kleinen Wollwickler gekauft. Made in China und ziemlich wacklig, aber mit ein paar kleinen Tricks liefert er sehr hübsche Knäule in nur wenigen Minuten (nun ja – die Zeit, die ich zum Enttüdeln der Wickel-Unfälle brauche, nicht mitgerechnet). Da ich am Wochenende krank war und mir wirklich nicht nach Stricken war, habe ich statt dessen einfach alles aufgewickelt, was ich so rumliegen hatte. Meine alten runden Wollbälle, die losen Stränge, die Wolle für Peters neuen Pulli und meine rote Strickjacke. Außerdem habe ich auch ein bisschen mit dem Farbtopf gespielt: Mit Ashford-Farben aus Neuseeland und ungefärbter Opal-Sockenwolle. Ziemliche Sauerei, aber ganz hübsch. Und jetzt, nach all dieser Strickvermeidung, endlich, konnte ich mich für eine neuen Clapotis entscheiden: Aus frühlingshaftem Pink. Fotos morgen!

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Unentschlossen

Ich will ein neues Projekt, aber ich weiß nicht, was. Nur zur Info: Zurzeit habe ich ein Tuch, einen gigantischen Pulli aus dicker Wolle für meinen Mann und ein paar Socken auf den Nadeln. Aber irgendwas fehlt. Was Nettes, Warmes, Nützliches. Aus schönem bunten Garn, das einem bis zum Frühlingsanfang den Tag versüßt.

Schwere Entscheidung. Erst wollte ich einen kleinen Clapotis aus Wollmeise-Sockenwolle machen. Diesen hier habe ich für meine Mutter zum Geburtstag gestrickt:

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Und diesen hier aus einem halben Knäuel Sockenwolle, aber darum ist er natürlich etwas klein:

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Ich trage ihn oft und hätte so etwas gern nochmal in einer anderen Farbe. Aber welche bloß? In Grüntönen, obwohl ich sie sehr mag, sehe ich total verkatert aus. Blau, Türkis und Lila stehen mir supergut, aber ich mag sie einfach nicht so gern. Rot wäre ein Kompromiss, aber ich habe nur zwei rote Knäule da – und die sind eigentlich schon beide für Socken verplant. Richtig gut zu meinem Teint passt die neue Wollmeise-Farbvariante „Emil-hell“: Knallrot, Knalltürkis und Schwarz. Hab ich mich aber nicht rangetraut und dann einen Clapotis in „Emil-dunkel“ gestartet, der aber dann eigentlich nur schwarz war. Und wer braucht einen schwarzen Schal an einem dunklen Märztag? Eben. Also wieder aufgeribbelt.

Eigentlich bräuchte ich eine kleine Mütze ja viel dringender. Aber meine letzten Versuche mit Mützen gingen alle in die Hose: Zu klein, zu spitz, zu hässlich. Also lieber nicht, und ich trage weiter meinen schwarzen Filzhut draußen.

Und dann erinnerte ich mich, dass ich fürs Frühjahr eine dicke Outdoor-Strickjacke nach einem Muster der genialen Elizabeth Zimmermann machen wollte. Aus knallroter, schöner Tweedwolle, die ich mir extra aus Amerika habe schicken lassen (das Bild ist im Header dieser Seite). Daran habe ich gestern ein paar Reihen gestrickt. Ich war also nicht sehr produktiv. Ansonsten bloß Knäule gewickelt, damit die Wolle, sollte ich mich denn endlich entscheiden, dann auch startbereit ist. Und war anschließend so genervt, dass ich mir erstmal einen Wollwickler im Internet bestellt habe.