Wer ist schuld?

War es meine Oma? Yarn Harlot? Meine Handarbeitslehrerin Frau Berner war es jedenfalls nicht, so viel ist sicher. Oder war es mein erster selbstgestrickter Pulli? Ich war 12, wusste nicht, was eine Maschenprobe ist, das Muster stammte aus der Zeitschrift Mädchen, die Wolle war ziemlich kratzig (Schachenmayr Nomotta extra in Dunkelblau) und der Pullover wurde trotzdem was. Ich trug ihn, bis er zerschlissen war und die Ärmelbündchen ausfransten. Das war ungefähr während des Abiturs.

Ja, ich glaube, dieser Pullover ist schuld an meiner Strick-Leidenschaft. Wäre er misslungen (so wie mein erstes Paar Socken), hätte ich wahrscheinlich nie wieder Nadeln und Garn angefasst. Aber so strickte ich immer wieder mal was, hauptsächlich Pullover. Mal einen Schal oder eine Strickjacke. Aber so richtig los ging es, als mein Sohn unterwegs war: Babysachen gehen schnell. Babys brauchen warme Decken und Jäckchen und Mützen. Und sie sehen soooo süß darin aus! Als ich auf der Suche nach Musterbüchern war, empfahl mir Amazon „Knitting without Tears“ von Elizabeth Zimmermann. Und „At Knits End“ von Stephanie Pearl-McPhee (tolle Bücher, und das Englisch ist wirklich nicht schwer). Und dann ging es los. Und dann fand ich auch noch Stephanies Blog im Netz, und das großartige Ravelry. Und Podcasts, und handgefärbte Garne, und all das. Und jetzt bin ich drin, im Stricknetz und komme nicht mehr raus. Oder besser: Will nicht mehr raus. Denn Stricken hilft mir, den Rest der Welt nicht so schwer zu nehmen. Stricken gibt mir kleine Erfolgserlebnisse, Stricken lässt mich Fehler machen, die ich ganz einfach beheben kann. Stricken ist simpel und interessant zugleich. Und so etwas brauche ich in meinem Leben. Braucht das nicht jeder?