Mein wunderbarer Woll-Wickler

Obwohl ich gerade gelernt habe, per Hand richtig hübsche Knäule zu wickeln, die man sogar von Innen heraus stricken kann, habe ich mir einen kleinen Wollwickler gekauft. Made in China und ziemlich wacklig, aber mit ein paar kleinen Tricks liefert er sehr hübsche Knäule in nur wenigen Minuten (nun ja – die Zeit, die ich zum Enttüdeln der Wickel-Unfälle brauche, nicht mitgerechnet). Da ich am Wochenende krank war und mir wirklich nicht nach Stricken war, habe ich statt dessen einfach alles aufgewickelt, was ich so rumliegen hatte. Meine alten runden Wollbälle, die losen Stränge, die Wolle für Peters neuen Pulli und meine rote Strickjacke. Außerdem habe ich auch ein bisschen mit dem Farbtopf gespielt: Mit Ashford-Farben aus Neuseeland und ungefärbter Opal-Sockenwolle. Ziemliche Sauerei, aber ganz hübsch. Und jetzt, nach all dieser Strickvermeidung, endlich, konnte ich mich für eine neuen Clapotis entscheiden: Aus frühlingshaftem Pink. Fotos morgen!

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Unentschlossen

Ich will ein neues Projekt, aber ich weiß nicht, was. Nur zur Info: Zurzeit habe ich ein Tuch, einen gigantischen Pulli aus dicker Wolle für meinen Mann und ein paar Socken auf den Nadeln. Aber irgendwas fehlt. Was Nettes, Warmes, Nützliches. Aus schönem bunten Garn, das einem bis zum Frühlingsanfang den Tag versüßt.

Schwere Entscheidung. Erst wollte ich einen kleinen Clapotis aus Wollmeise-Sockenwolle machen. Diesen hier habe ich für meine Mutter zum Geburtstag gestrickt:

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Und diesen hier aus einem halben Knäuel Sockenwolle, aber darum ist er natürlich etwas klein:

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Ich trage ihn oft und hätte so etwas gern nochmal in einer anderen Farbe. Aber welche bloß? In Grüntönen, obwohl ich sie sehr mag, sehe ich total verkatert aus. Blau, Türkis und Lila stehen mir supergut, aber ich mag sie einfach nicht so gern. Rot wäre ein Kompromiss, aber ich habe nur zwei rote Knäule da – und die sind eigentlich schon beide für Socken verplant. Richtig gut zu meinem Teint passt die neue Wollmeise-Farbvariante „Emil-hell“: Knallrot, Knalltürkis und Schwarz. Hab ich mich aber nicht rangetraut und dann einen Clapotis in „Emil-dunkel“ gestartet, der aber dann eigentlich nur schwarz war. Und wer braucht einen schwarzen Schal an einem dunklen Märztag? Eben. Also wieder aufgeribbelt.

Eigentlich bräuchte ich eine kleine Mütze ja viel dringender. Aber meine letzten Versuche mit Mützen gingen alle in die Hose: Zu klein, zu spitz, zu hässlich. Also lieber nicht, und ich trage weiter meinen schwarzen Filzhut draußen.

Und dann erinnerte ich mich, dass ich fürs Frühjahr eine dicke Outdoor-Strickjacke nach einem Muster der genialen Elizabeth Zimmermann machen wollte. Aus knallroter, schöner Tweedwolle, die ich mir extra aus Amerika habe schicken lassen (das Bild ist im Header dieser Seite). Daran habe ich gestern ein paar Reihen gestrickt. Ich war also nicht sehr produktiv. Ansonsten bloß Knäule gewickelt, damit die Wolle, sollte ich mich denn endlich entscheiden, dann auch startbereit ist. Und war anschließend so genervt, dass ich mir erstmal einen Wollwickler im Internet bestellt habe.

Wer ist schuld?

War es meine Oma? Yarn Harlot? Meine Handarbeitslehrerin Frau Berner war es jedenfalls nicht, so viel ist sicher. Oder war es mein erster selbstgestrickter Pulli? Ich war 12, wusste nicht, was eine Maschenprobe ist, das Muster stammte aus der Zeitschrift Mädchen, die Wolle war ziemlich kratzig (Schachenmayr Nomotta extra in Dunkelblau) und der Pullover wurde trotzdem was. Ich trug ihn, bis er zerschlissen war und die Ärmelbündchen ausfransten. Das war ungefähr während des Abiturs.

Ja, ich glaube, dieser Pullover ist schuld an meiner Strick-Leidenschaft. Wäre er misslungen (so wie mein erstes Paar Socken), hätte ich wahrscheinlich nie wieder Nadeln und Garn angefasst. Aber so strickte ich immer wieder mal was, hauptsächlich Pullover. Mal einen Schal oder eine Strickjacke. Aber so richtig los ging es, als mein Sohn unterwegs war: Babysachen gehen schnell. Babys brauchen warme Decken und Jäckchen und Mützen. Und sie sehen soooo süß darin aus! Als ich auf der Suche nach Musterbüchern war, empfahl mir Amazon „Knitting without Tears“ von Elizabeth Zimmermann. Und „At Knits End“ von Stephanie Pearl-McPhee (tolle Bücher, und das Englisch ist wirklich nicht schwer). Und dann ging es los. Und dann fand ich auch noch Stephanies Blog im Netz, und das großartige Ravelry. Und Podcasts, und handgefärbte Garne, und all das. Und jetzt bin ich drin, im Stricknetz und komme nicht mehr raus. Oder besser: Will nicht mehr raus. Denn Stricken hilft mir, den Rest der Welt nicht so schwer zu nehmen. Stricken gibt mir kleine Erfolgserlebnisse, Stricken lässt mich Fehler machen, die ich ganz einfach beheben kann. Stricken ist simpel und interessant zugleich. Und so etwas brauche ich in meinem Leben. Braucht das nicht jeder?