Hitchhiker

Oh, war das schön. Ich hatte seit viereinhalb Jahren zum ersten Mal wieder ein Wochenende nur für mich, und ich war an der Ostsee (habe der Versuchung widerstanden, nach Pfaffenhofen zum Wollmeise-Laden zu fahren):

Ich liebe den Ostseestrand, mit all den vielen Steinchen, dem Seegrasgeruch. Ich liebe das kalte Wetter im Herbst und gehe auch im Regen am Strand spazieren. Mein Gehirn erlebt dabei große Glücksgefühle, wahrscheinlich weil es all das von meinen vielen Schulferien auf der Insel Fehmarn wieder erkennt.

Zu einem perfekten Erholungswochenende gehört natürlich auch das Strickzeug dazu. Und hier mein Ergebnis:

Ein langes, flaches Dreieckstuch, kraus rechts gestrickt mit witziger Zackenkante, aus Wollmeise 100% Merino in der Farbe „Red hot Chili“. Und weil ich so viel Zeit hatte, hab ich das Muster gleich aufgeschrieben und bei Ravelry eingestellt (auf Deutsch und Englisch) – hier zum Download für 3,40 €. Ich hoffe, Ihr habt beim Stricken genauso viel Spaß wie ich!

I had the most perfect weekend at the shore of the Baltic Sea, all by myself, for the very first time since my son was born in 2006. I just love the little beaches full of pebbles, I love the stormy and rainy weather at this time of year. Perfect for long walks on the beach. It reminds my brain of all the vacations I spent on the island Fehmarn when I was a kid, and it produces all kinds of happy feelings.

Now, a perfect weekend wouldn’t be perfect without knitting. So I finished my new Design, Hitchhiker: A shallow triangular shawlette in Wollmeise 100% Merino, Colorway „Red Hot Chili“. Looks like I had too much time on my hands, because I already wrote up the pattern and put it up on Ravelry (downloadable here for 3.40 €). I hope you enjoy knitting it as much as I did!

Mütze. Aber wo ist der Schal? Und die Handschuhe?

Hier ist also mein Blaukäppchen:

Das Muster ist bereits in Arbeit. Und nun? Hab ich eine Mütze, aber keinen Schal, der dazu passt. Und Handschuhe erst recht nicht. Letztes Jahr hab ich mir knallrote Fingerhandschuhe gestrickt, die wären mit dem Blaukäppchen dann doch too much. Ich will ja nicht aussehen wie ein Clown. Und einen passenden Schal hab ich auch nicht. Ich könnte höchstens einen schwarzen Fleeceschal nehmen, den ich mal für 2 Euro auf einem Weihnachtsmarkt gekauft habe, und dazu einfache schwarze Wollhandschuhe. Aber das wäre… langweilig. Ebenso langweilig fände ich Mütze, Schal und Handschuhe alle aus der gleichen Farbe. Vielleicht sollte ich vor dem Stricken mal nachdenken, wozu ein Teil überhaupt passen würde. Sonst hat man als Strickerin ja schnell einen Muster- und Farboverkill an: Das schöne Lace-Tuch, die Handschuhe mit dem Süßen Zopfmuster in einer extremen Knallfarbe, dazu eine originelle Mütze, die beim Stricken so viel Spaß gemacht hat. Wie macht Ihr das eigentlich? Strickt Ihr ein schönes Accessoire wie z. B. die Handschuhe von Laris, und kauft dann eine unauffällige Mütze plus Schal dazu? Strickt Ihr komplett passende Sets? Oder kombiniert ihr einfach alles ganz wild durcheinander? Und, Frage aller Fragen: Was für ein Schal würde zu meinem Blaukäppi passen?


Kleine Strick-Streberin

Das hier habe ich neulich bei Etsy gefunden:

Und da ich mich darin sofort wieder erkannt habe, musste ich das Bild einfach haben! Früher hatte ich tatsächlich auch mal hennarote Haare, aber irgendwann hatte ich von diesem Schweinkram beim Färben echt genug. Deshalb bin ich jetzt grünlich-blond. Das ist auch alle paar Jahre mal modern. Neuerding auch mit einer sexy grauen Strähne rechts im Pony. Ich hab mir vorgenommen, meine Haare trotzdem nicht mehr zu färben, weder blond noch sonstwas. Der dunkle Haaransatz sieht immer irgendwie ungepflegt aus, und ich komme einfach nicht regelmäßig zum Friseur. Inzwischen habe ich eine Friseurin gefunden, die zu mir kommt und dann auch gleich den Kindern die Haare schneidet, das ist echt besser.

Und „nerdy“? Typ Streberin mit Brille? Wollte ich nie sein. Bin ich aber irgendwie doch, und heute ist das auch okay für mich. Ich sitze am liebsten alleine am Schreibtisch, am Rechner oder mit meinem Strickzeug auf dem Sofa und pussel so vor mich hin. Und freu mich wenn was Nettes dabei rauskommt. Nerdy little knitter also. Schon okay!

Mein neuer Lieblingsplatz…

… ist der Sessel im Schaufenster von Naimas neuem Woll-Laden in Hamburg (Weidenallee 12). Dort habe ich heute Asyl bekommen, weil ich meine Kleine gerade in die Kita eingewöhne und mich in der Nähe aufhalten muss. Und frau kann ja nicht ständig beim Portugiesen Kaffee trinken, oder? Im Wollgeschäft zu stricken, ist einfach nett, weil es dort einfach was Selbstverständliches hat. Und wenn dann noch andere nette Strickerinnen vorbeikommen (so wie heute früh), ist es natürlich doppelt so schön. Mal sehen, vielleicht bin ich morgen wieder da und spiele Ausstellungsstück!

Wieder da!

Habe lange nichts mehr hier geschrieben – aber dafür gibt es einen guten Grund: Ich war schwanger und konnte einfach nicht stricken. Vom Geruch von Wolle oder Wollwaschmittel wurde mir jedes Mal schlecht, und vom Stricken selbst auch. Aber jetzt geht’s wieder. Ich habe sogar schon vor der Geburt meiner Tochter im Dezember eine dicke Babydecke und ein Jäckchen gestrickt. Und jetzt, wo sie da ist und fast den ganzen Tag schläft (toi, toi, toi) habe ich meine UFOs aus dem Schrank gekramt und stricke. Oh ja, und es macht mich wirklich glücklich. Mehr demnächst!

Wollfabrik und Färbe-Frust

Letzten Montag konnte ich nicht widerstehen: Hab mich in den Bus gesetzt und mich aufgemacht zum Lagerverkauf der Hamburger Wollfabrik. Weil es ein ziemlich spontaner Entschluss war, hab ich mein Bargeld und mein Busticket zuhause liegen lassen. Die Geheimzahl meiner EC-Karte für Spaßeinkäufe hab ich zwar extra nochmal nachgeguckt, aber beim Bezahlen stellte sich heraus, dass es die falsche war. Zum Glück hatte ich eine weitere Karte mit – die vom gemeinsamen Konto mit meinem Mann. Peinlich, peinlich – ich hab es nicht so gern, wenn er genau nachprüfen kann, wofür ich mein Taschengeld ausgebe. Und Schwarzfahren ist auch nicht so mein Ding. Genausowenig, wie ewig lang am Hamburger ZOB herumstehen zu müssen, zusammen mit rauchenden, in Ballonseide gewandeten Menschen mit falschen Fingernägeln. Abgesehen davon war es ein voller Erfolg: Ich habe eine Ein-Kilo-Kone Alpaka-Merino-Garn in wunderschönem Hellgrau gekauft, ein dunkelgraues Kaschmir-Merino-Gemisch und eine Kone Sockengarn zum Färben.

Es war unglaublich viel los, obwohl die Wollfabrik für Hamburger Verhältnisse wirklich am Hintern der Welt liegt. Viele Damen, die ihre Ehemänner überredet hatten, mit ihnen zum Lagerverkauf zu fahren. Ein paar Frauen mit schwarzgefärbten Haaren, die Konenweise Glitzergarn in die Körbe packten. Ich glaube, ich war die mit Abstand jüngste Kundin an diesem Tag. Stricken ist in Deutschland eben immer noch eher etwas für Großmütter.

Das Sockengarn hat inzwischen ein Bad in den Färbetöpfen genommen und sieht jetzt so aus:

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Glücklich bin ich damit aber nicht. Das Garn (80 Prozent Wolle, 20 Prozent Polyamid) besteht aus unterschiedlichen Fäden, die die Farbe nicht gleichmäßig annehmen – daher die leichte Tweed-Optik. Und das Rot hat ewig ausgeblutet, also wird die Wolle wahrscheinlich abfärben, wenn man sie wäscht.

Nach dieser Färbeaktion beschlich mich plötzlich Paranoia: Könnte es vielleicht sein, dass die Ashford-Säurefarben giftig, krebserregend oder beides sind? Ich hatte nämlich bisher immer, ohne mir was dabei zu denken, unsere normalen Kochtöpfe fürs Färben benutzt. Warnhinweise à la: Achtung, bitte kein Kochgeschirr verwenden! Stehen auf der Packung nämlich nicht drauf. Ich trage zwar immer Gummihandschuhe dabei, wische alles gründlich ab, werfe die Lappen sofort in die Waschmaschine und spüle die Töpfe supergründlich, aber wer weiß? Im Netz gibt es einige Färber, die behaupten, man dürfe Färbetöpfe auf keinen Fall fürs Kochen verwenden. Sogar mein Mann, der mal Chemie studiert hat und normalerweise hart im Nehmen ist bei sowas, fand es besser, wenn ich mir extra Färbetöpfe kaufe (das Budget dafür wurde sofort bewilligt). Am Wochenende hab ich dann versucht, ein Knäuel mit gelber und roter Ostereierfarbe (Lebensmittelfarbe, Ökotest sehr gut) zu färben. Die Wolle wurde ziemlich knallig und färbte trotz mehrmaligen Durchkochens auch im trockenen Zustand ab. Darum hab ich jetzt gelbe Fingernägel und eine gelbe Computertastatur. Da blieb nur eins: Ab in den Mülleimer damit. Und ich warte jetzt auf mein neues Färbe-Topfset, in dem ich dann wieder die gute Chemie einsetzen kann. Leider wird Amazon es erst Ende April verschicken. Aber wenn ich ehrlich bin, hab ich von der Kleckerei jetzt eh erstmal genug.