Von Schwarzen Löchern

Ich stricke schon seit Wochen an einem großen Lacetuch und es will scheinbar kein Ende nehmen, egal wie viele Stunden ich damit verbringe. Ein Projekt, das die Zeit schluckt und aus Antimaterie zu bestehen scheint, die jede gestrickte Masche wieder aufribbelt, sobald man es zur Seite legt… ein gestricktes Schwarzes Loch!

Ich hab mir schon so manches mal gewünscht, einfach die Turbostrickfunktion einschalten zu können und endlich fertig zu werden! Sicher kann man üben, schneller zu stricken. Die Methode, die die meisten Strickerinnen auf dem Europäischen Festland verwenden („Continental Knitting“) ist im Durchschnitt schon relativ schnell: Dabei holt man den Faden von vorne nach hinten durch die Masche. Aber den Geschwindigkeitsrekord halten Strickerinnen, die sich eine Nadel unter den Arm klemmen und den Faden jeweils um die Nadel „herumwerfen“. Strick-Guru Stephanie Pearl-McPhee gibt sogar Kurse in diesen Techniken, eben mit dem Ziel, noch schneller zu werden.

Da ich seit Kindertagen Kontinentalstrickerin bin, werde ich mit meiner Strickgeschwindigkeit wohl immer im guten Durchschnitt liegen, aber keine Rekorde aufstellen. Ich habe aber festgestellt, dass mir zwei Dinge helfen, ein Projekt schneller fertig zu bekommen:

a) das Strickzeug immer dabei haben und wirklich bei jeder sich bietenden Gelegenheit stricken (statt z. B. das Smartphone herauszuholen).

b) von vornherein Projekte wählen, die Abschnitte und interessante Wendungen haben – es motiviert ungemein „noch bis zur nächsten Ecke“ oder „noch bis zum nächsten Streifen“ weiterstricken zu wollen.

Also: Leider nein, keine Tricks. Aber vielleicht noch ein Gedanke, der zum Sommer passt: Vielleicht kommt es beim Stricken ja gar nicht auf die Geschwindigkeit an, und auch nicht darauf, alles möglichst schnell fertig zu stricken. Sondern darauf, dass wir dabei eine schöne Zeit haben. Einfach jede Masche genießen – egal ob schnell oder langsam.

4 Comments on “Von Schwarzen Löchern

  1. „instead of taking out my smartphone“
    Oh my goodness, this, this, this!! I’m trying really hard to unplug myself from my phone, and return to actually DOING things. It would be nice to get some knitting done…
    I hope your black hole shawl is done soon. :)

  2. Eigentlich sollte Strickzeit doch Genußzeit sein, sozusagen kleine Ferien vom Alltag. Und dabei kommt es doch nicht darauf an, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen…

    LG

    Sylvia

  3. Stricken ist für mich wie Meditation! Es geht dabei doch nicht um Geschwindigkeit.

  4. Beim Stricken ist doch der Weg das Ziel. Außer wenn er sich ewig und ewig hinzieht. Dann entstehen auch bei mir „schwarze Löcher“.

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