Planung

Es war 2008, da habe ich aufgehört, einen Papierkalender zu benutzen. Termine hatte ich auf dem Bildschirm, dazu eine Zettelwirtschaft und das leise Gefühl, es irgendwie alles nicht mehr unter Kontrolle zu haben. So ging das ein paar Jahre, das war auch okay, denn meine Kinder waren klein, und damit hatte ich genug zu tun. Ich konnte mich ohnehin um nicht viel Anderes kümmern. Bis ich vor knapp drei Jahren bei Twitter etwas über die „Bullet Journal“-Methode las: Andere Strick-Designerinnen benutzten es, um ihr Leben zu organisieren, zu planen und das schöne Gefühl zu haben: Alles im Griff. Das wollte ich auch! Der Erfinder der Methode, Ryder Carrol, hat dafür ein Anleitungsvideo ins Netz gestellt:

(deutsch untertitelt)

Ich fand das schlau und habe es seither auch gerne benutzt, immer in den großen Moleskine-Notizbüchern mit dem weichen Umschlag, in die ich hinten noch eine Leuchtturm-Stiftschlaufe eingeklebt hatte. Mein Buch schleppte ich überall mit hin, schrieb Pläne und Listen hinein, aber hauptsächlich meine tägliche To-Do-Liste.

Aber von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass mir etwas Wichtiges fehlte: Ein richtiger Kalender, in den ich künftige Ereignisse und Termine, und seien sie auch noch so banal, gleich mit festhalten konnte. Im Bullet Journal gibt es zwar ein „Future Log“, also zwei Doppelseiten, auf denen es für jeden Monat ein Feld gibt, so dass man Termine eintragen kann. Aber dann stehen sie da nicht in der richtigen chronologischen Reihenfolge – und für so Kleinkram wie Elternabende, Zahnarzttermine oder den Zeitpunkt, an dem der Bücherbus in unserem Dorf hält oder die Papiertonne geleert wird, war darin nicht so richtig Platz. Auch die Monatsübersicht, die man sich am Anfang des Monats selbst malt, bietet kaum Platz für solchen Kleinkram. Mir kam es jedenfalls immer komisch vor, die Restmüllentleerung in eine Monatsübersicht einzutragen.

Ich hatte zwar alle Termine in meinem iCal auf dem Rechner und meinem Smartphone – aber das reichte mir nicht. Denn erstens passiert es mir ab und zu, dass beim digitalen Termineintragen etwas schief läuft, da plötzlich eine falsche Uhrzeit steht oder der Name des Events nicht gespeichert wird und ich später nicht mehr weiß, was ich damit gemeint habe. Zweitens finde ich die Ansicht sowohl auf dem Bildschirm als auch auf dem Telefon eher unübersichtlich: Alles ist gleich groß, die Klavierstunde meines Sohnes und die wichtige Deadline. Es ist mir mehr als einmal passiert, dass ich etwas übersehen habe, so dass dann unnötiger Stress entstand. Und, rein emotional ist mir das zu wenig „greifbar“ – ich gucke doch nicht so oft in den digitalen Kalender rein, und dann verpasse ich etwas. Um Termine mit meinem Mann zu teilen, ist die digitale Lösung super, aber ich brauche für mich noch was Handschriftliches. Old school eben. Und dafür ist das Bullet Journal leider nicht der richtige Weg.

Erst habe ich überlegt, ob ich mir nicht einen eigenen Wochenkalender in mein Bullet Journal reinmale. Manche Leute zeichnen sich Woche für Woche eine Übersicht, ich hätte aus den genannten Gründen gleich eine für mehrere Monate gebraucht. Dafür fehlt mir aber das Talent, die Zeit, und ganz ehrlich: auch die Lust. Ich möchte einen richtigen Kalender. Und dazu ganz viele Notizseiten, die ich wie im Bullet Journal für Listen und Notizen benutzen kann.

Im Internet findet man Leute, die aus ihren Bullet Journals richtige kleine Kunstwerke gemacht haben, die zum Teil an die zurzeit so beliebten Malbücher für Erwachsene erinnern. Wer’s mag, für den ist es sicher toll, aber ich habe in dieser Hinsicht keinen Ehrgeiz – ich möchte ein schlichtes Werkzeug, das mir hilft, mein Leben zu organisieren. So war das Bullet Journal ja auch ursprünglich gedacht. Mittlerweile gibt es so viele Ergänzungen und Ideen zum Konzept Bullet Journal: Dankbarkeits-Seiten, Filmgucke-listen, Buch-Lese-Pläne, dazu Kontrollseiten, ob man auch täglich genug Wasser getrunken, meditiert, Sport gemacht, die Küche geputzt und auf Instagram gepostet hat. Wenn ich mir angucke, was andere Leute aus ihrem Bullet Journal machen, fühle ich mich überfordert und unter Druck, weil ich eben nicht so hübsche Übersichten in mehreren Farben zeichnen kann und möchte. Ich habe nie einen Kalligraphie-Kurs besucht und habe auch keine besondere Freude am Ausmalen (ich stricke lieber!). Ich will, dass jemand anders mir einen hübschen, funktionalen Kalender macht.

Dann war meine Idee, dem Bullet Journal quasi einen Kalender vorzuschalten und das Ganze dann zusammen in einem Umschlag zu befestigen. Dann hätte ich auch gleich mein Strickdesign-Skizzenbuch mit da hinein packen können und hätte alles an einem Platz. Solche Systeme braucht man sich auch nicht zu basteln, sondern es gibt sie als fertigen Bausatz zu kaufen: Umschläge, Kalender- und Notizeinlagen und Gummibänder, mit denen man die Einlagen befestigt (z. B. von X17). Aber diese Lösung war mir dann doch zu provisorisch, zu fummelig. Mit meinem alten Filofax hätte ich das auch hinbekommen, aber da finde ich die Seiten mittlerweile viel zu klein. Mein Eindruck ist, dass das Filofax-System nach dem Bullet Journal-Boom eine Renaissance erlebt – die Strickdesignerinnen, von denen ich damals das Bullet Journal empfohlen bekommen habe, sind mittlerweile auf Filofax im A5-Format umgestiegen. Meiner hat aber die kleinere Größe („Personal“) und mir einen neuen, größeren anzuschaffen, war mir jetzt erstmal zu teuer.

Nach mehreren Tagen obsessiven Recherchierens habe ich etwas wirklich Tolles gefunden: Den Weekview Business Planner. Etwas größer als A5, mit Jahresübersichten für 3 Jahre und schön strukturierten Wochenplänen. Auf denen ist genug Platz für Notizen und die Aufgaben-Liste ist schon fertig drin, sogar mit verschiedenen Prioriäten. Die macht wöchentlich für mich ohnehin mehr Sinn als täglich, denn meistens schaffe ich nur die Hälfte, und beim Bullet Journal musste ich dann am nächsten Tag immer alles neu aufschreiben.

Hinten drin gibt es einen indizierten Teil für Listen und Notizen, auch hier nimmt mir der Planer schon die ganze Arbeit ab. Schön gelayoutet und verarbeitet ist das Ganze auch noch, und als Extra hat mein Planer noch ein Register (zum Selbst-Einkleben), bunte Stickerchen (nicht nötig, aber nett) und einen radierbaren Tintenroller dabei – den ich überraschend gut finde. Bei Weekview findet man auch noch andere Wochenplaner, alle nicht wirklich teuer. Einige sind jetzt zum Ende des Jahres schon runtergesetzt, und die sehen zum Teil noch cooler aus als meiner – der Compact Note 2017 mit den Riesen-Zahlen vorne drauf ist von außen eindeutig der schickste, aber er ist kleiner und innen ist die Wochenaufteilung etwas anders. Das Konzept der Weekview-Kalender finde ich auch gut: Der Kalender soll nicht nur für eine Elite da sein, sondern allen Leuten helfen, ihre Ziele und ihr Leben in den Griff zu bekommen – auch wenn sie gerade in schwierigen Lebenssituationen stecken. Der Gründer von Weekview engagiert sich im Verein Christliche Drogenarbeit e. V., den man mit dem Kauf der Kalender unterstützt.

Ein schöner, nützlicher Kalender, der genau meinen Bedürfnissen entspricht, und mit dem ich auch noch Gutes tue – genial. Ich bin sehr happy damit, und der Abschied vom hippen Bullet Journal fällt mir damit nicht schwer. Prioritäten setzen, den Überblick behalten, mir Auszeiten nehmen – genau das wird mir sicher gut tun in 2017. Ich werde berichten, wie es damit läuft!

P. S.: Ich finde das Bullet Journal immer noch klasse und nützlich, und es hat die auf dem Markt erhältlichen Planer-Systeme sicher inspiriert und verbessert. Darum Danke, Ryder!

P. P. S.: Weekview macht übrigens auch Einlagen für den A5-Filofax!

P. P. P. S.: … und jetzt, im Februar, kostet der schöne Business Planner nur noch 19,90 bei Amazon
:))

8 Comments on “Planung

  1. Liebe Martina,

    vielen Dank für den tollen Tip! Genau das habe ich gesucht!
    Hab mir sofort den Business Planner Starter bestellt. Freu!
    Liebe Grüße, Kirstin

  2. Liebe Martina, herzlichen Dank für deinen hilfreichen Beitrag. Ich bin die Zettelwirtschaft leid und stelle um. Viele Grüße, irene

  3. I always work with a paper calendar and that works the best for me !! Your Business Planner looks realy nice.

  4. It’s funny how the organizer market has grown, even as the number of digital tools available keeps exploding! I’m devoted to my Moleskine Weekly Notebook – enough space for my limited daily appointments and reminders, with a full page every week to add my to-do list, notes etc. It’s minimalist and perfect. (Plus I use Google Calendar to co-ordinate with my husband; plus I have a chalkboard in the kitchen with the most important things to remember every week – social engagements, recycling etc.) I do like the sound of this system, though, I’ll check it out. It sounds like it might be a bit much for me (I love the Moleskine minimalism), but maybe when I want to take it to the next level…

  5. Liebe Martina, ich bin bereits im letzten Jahr über den weekview Kalender „gestolpert“ und muss sagen, dass ich noch nie so begeistert von einem Kalender war wie von diesem. Bei der Arbeit mit dem Kalender kommen einem immer noch mehr Verwendungsideen und Möglichkeiten – einfach genial. Schön, dass du auch darüber hier schreibst! Übrigens sind die Strick-Club-Termine die ersten, die ich in den neuen Kalender übertragen werde ;-). Herzliche Grüße Britta

  6. Hallo
    Ich benutze seit Jahren den Kalender von roterfaden.de.
    Der hat so praktische Klammern, mit denen ich alles, was noch zum Kalender schreiben dazu kommt, festklammern kann – Notizen, wichtige Zettel, Block für ToDos, Notizbuch ….zudem handgemachte! Guckt mal selbst – ist super individualisierbar!

  7. Vielen lieben Dank, Martina. Ich bin auch auf der Suche nach einem geeigneten System. Deshalb bin ich auf deinen Blogpost gestossen. Ich hab mir sogleich den Weekview Business planner bestellt. Denn er sieht so schön schlicht aus. Beim Bullet Journal wurde ich nicht glücklich. Meine Termine habe ich im Google Kalender. In Trello mache ich die Quartalsplanung. Aber die kleineren Sachen möchte ich gerne auf Papier haben. Ich bin gespannt, wie die Erfahrung mit dem Kalender ist.

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