Designing – III

Teil III des kleinen Einblicks in meine Designwerkstatt

Stricken (so richtig).
Ich weiß, dass viele Designerinnen den Prozess des Modell-Strickens aus Zeitgründen an andere abgeben – aber das würde ich nie tun. Ich finde es großartig, meine Designs selbst zu stricken. Strickzeit ist in meinem Tagesablauf ein entspannender Lückenfüller, wenn mein Kopf vom Kundenservice-Mail-Schreiben, Bildbearbeiten oder Layouten raucht. Und es ist auch notwendig, dass ich meine Entwürfe erst einmal selbst stricke, auch wenn ich auf diese Weise nicht so viele Anleitungen hinbekomme wie andere Designerinnen. Denn trotz genauer Berechnungen und Mini-Modell gibt es immer noch Kleinigkeiten im Prozess, die ich dann direkt ändern kann. Ganz wichtig: Während des Strickens schreibe ich genau auf, was ich mache. Denn aus diesen Notizen entsteht später die Anleitung. Wenn das Modell fertig ist (je nach Größe nach 2-6 Wochen), vernähe ich Fäden, wasche es vorsichtig und spanne es schön in Form – schließlich soll es auf den Fotos bestmöglich rüberkommen.

DesignProcessCamera

Fotos machen.
Ich schieße die Fotos von meinen Strickmodellen immer selbst, obwohl ich kein Profi bin. Früher noch mit einer kleinen Knipskamera, aber inzwischen benutze ich die digitale Spiegelreflexkamera, die mein Mann sich irgendwann mal gekauft hat (eine Canon 350D). Ich wollte es erst selbst nicht glauben, aber es stimmt: Die Fotos werden damit einfach so viel besser! Ich nehme meistens ein 50-Millimeter-Objektiv ohne Zoom- oder Weitwinkelfunktion. Darum muss ich öfter mal irgendwo herumklettern, um den optimalen Blickwinkel zu bekommen, aber die Bilder werden damit lichtstärker und ich mag den Effekt, dass der Hintergrund bei Nahaufnahmen so schön unscharf wird. Ich habe ein Stativ und einen Selbstauslöser und eine Ecke in meinem Zimmer direkt beim Fenster, die ich immer als Hintergrund benutze. Dafür muss ich mein Bett umräumen, vielleicht sogar nochmal staubsaugen. Denn ich mach auch immer Fotos von dem Strickstück als Ganzes, damit die Strickerin einen Überblick bekommt (das finde ich sehr wichtig). Wenn ich selbst modele, sind meine Haare frisch gewaschen, mein T-Shirt gebügelt und mein Gesicht geschminkt (das ist an anderen Tagen nicht immer der Fall). Bei „Angles“ war es etwas anders, ich musste nur mein Bett umstellen und die Decke hübsch zurecht zupfen. Aber auch die Decke hat ihre Schokoladenseiten, und die musste ich erst einmal finden. Ganz wichtig: Vielevieleviele Fotos machen, dann ist die Wahrscheinlichkeit ein brauchbares herauszubekommen höher. Und immer einen voll geladenen Ersatzakku zur Hand haben, sonst hat man alles aufgebaut und muss dann erstmal ein paar Stunden warten, bis die Batterie wieder voll ist – und so viel Zeit (und Geduld!) habe ich nicht. An dieser Stelle mal einen Riesendank an meinen Mann, der sich diese tolle Fotoausrüstung gekauft hat. Es fehlt wirklich an nichts, und ich bin ihm sehr dankbar, dass ich sie benutzen darf. Sind die Fotos im Kasten, lade ich sie auf meinen Computer und bearbeite sie mit einem Bildbearbeitungsprogramm (ich bin erst vor Kurzem vom Konsumentenprogramm „iPhoto“ auf das professionellere „Aperture“ umgestiegen, die sind beide von Apple und längst nicht so teuer wie Photoshop & Co.). Zunächst werden alle Fotos gelöscht, die unscharf oder verwackelt sind oder auf denen ich mich nicht leiden mag. Also rund die Hälfte. Anschließend passe ich Helligkeit, Farbsättigung und den Bildausschnitt an. Auffällige Hautunreinheiten retuschiere ich mir gnädig aus dem Gesicht. Dann werden die Bilder auf eine Größe heruntergerechnet, die man gut im Layout und auf der Webseite benutzen kann.

Wer mehr übers Fotografieren von Strickteilen lernen möchte, dem empfehle ich den (englischsprachigen) Kurs „Shoot it“ von Caro Sheridan auf Craftsy.

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Anleitung schreiben.
Wenn die Fotos fertig sind, geht es los: Ich schreibe die Anleitung am Computer in einem einfachen Layout-Programm. Ich habe eine Vorlage, die ich für alle Anleitungen benutze und anpassen kann. Als erstes füge ich die Bilder ein, denn wenn ich die vor Augen habe, kommt der Rest fast von selbst. Maße, Materialien und Abkürzungen müssen genau aufgeführt werden, schließlich soll die Strickerin nicht im Dunkeln tappen. Wenn ich eine besondere Technik verwende, die sich mit Worten nicht so leicht erklären lässt, fertige ich auch noch Foto-Tutorials an, bei denen ich die einzelnen Arbeitsschritte fotografiere, und meistens filme ich auch noch ein Anleitungsvideo. Für diesen Zweck benutze ich dann wieder meine Mini-Knipskamera und ein kleines Gummistativ, das ich auf meinen Schreibtisch stelle, so dass meine Hände im Blick sind. Außerdem fertige ich am Computer eine Schemazeichnung an, die ebenfalls in der Anleitung Platz findet. Ich schreibe immer zuerst die englische Anleitung und übersetze sie anschließend ins Deutsche. Das kann schon mal zwei, drei Tage dauern. Dann drucke ich beide Versionen aus und stricke jeweils noch eine Mini-Version nach der ausgeschriebenen Anleitung, mache die nötigen Korrekturen und redigiere den Einleitungstext noch einmal durch. Bei einer Anleitung für ein Kleidungsstück, das in mehreren Größen angeboten wird oder einem Design für eine Zeitschrift müsste der Text jetzt noch einmal von einem „Tech Editor“ geprüft werden, der alle Zahlen genau anguckt und die Anleitung auf technische Richtigkeit gegenliest. Und dann ist sie endlich fertig.

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Veröffentlichen.
Jetzt ist der magische Moment gekommen: Ich erstelle einen Eintrag für die neue Anleitung in der Ravelry-Datenbank, lade die Bilder hoch und setze einen Preis fest. Und damit die Strickwelt von meinem neuen Werk erfährt, poste ich darüber auf Facebook, auf Twitter und auf meiner Webseite. Und dann freue ich mich über jeden Kommentar, jedes Herzchen und jedes Anstrickselbild.

Fragen beantworten.
Wenn Strickerinnen mir per E-mail oder auf Ravelry Fragen zur Anleitung stellen, beantworte ich die selbstverständlich und sehr gerne – das ist für mich ein ganz wichtiger Teil des Designer-Jobs! Manchmal schaffe ich es nicht am gleichen Tag, und die Fragen vom Wochenende müssen bis Montag warten. Rund eine halbe Stunde am Tag habe ich fürs Beantworten der Fragen von Strickerinnen eingeplant.

Designing – II

Teil II des kleinen Einblicks in meine Designwerkstatt.

Maschenprobe (wenn nötig).
Wenn ich ein Garn benutze, das ich noch nicht kenne oder wenn ich ein Stück designe, das passen muss (Mützen, Handschuhe, Socken), steht an dieser Stelle die Maschenprobe: Ein glatt rechts oder in dem Muster, aus dem das Stück entstehen soll, gestricktes Rechteck, das groß genug sein sollte, damit man bequem darauf abzählen kann, wie viele Maschen auf 10 cm kommen. Diese Zahl braucht man, um sie später in den Berechnungen zu verwenden. Für meine Tücher lasse ich die Maschenprobe an dieser Stelle meistens weg: Erstens ist die Maschenprobe bei Tüchern ohnehin nicht so wichtig, und zweitens stricke ich später sowieso noch eine Mini-Version davon. Aber bei Kleidungsstücken ist die Maschenprobe unverzichtbar, denn sonst kann man Maße und Größen im nächsten Schritt nicht berechnen.

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Rechnen.
Besteht ein Strickstück aus verschiedenen Teilen, wie zum Beispiel auch ein Pullover, rechne ich erst einmal ein bisschen. Hauptsächlich, um mir klar darüber zu werden, wie viel Garn ich für die einzelnen Teile brauche, wie groß sie tatsächlich werden und wie am Ende alles zusammenpasst. Bei „Angles“ war der Satz des Pythagoras und Gleichungen auflösen schon alles, was ich dafür brauchte. Aber wer einen selbstdesignten Pullover plant, kommt um ein bisschen Tabellenkalkulation (z. B. Excel, Numbers) nicht herum. Wer eine selbstgeschriebene Anleitung für ein Kleidungsstück herausbringen will, sollte an dieser Stelle schon alle Maschenzahlen für alle Größen ausrechnen. Ich selbst bin keine Expertin dafür und kann darum keine konkreten Tipps geben. Aber auf Englisch gibt es einige nützliche Bücher darüber, wie man gestrickte Kleidungsstücke entwirft und berechnet:
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„Knitwear Design Workshop“ von Shirley Paden,
„Sweater Design in Plain English“ von Maggie Righetti,
„The new Knitter’s Template“ von Laura Militzer Bryant.

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Stricken (ein bisschen).
Immer wenn ich eine ganz neue Form stricken möchte oder eine neue Kante (wie z. B. die Kringel bei Miss Winkle), mache ich erst einmal eine Mini-Version, um zu gucken, ob meine Idee funktioniert, ob meine Berechnungen stimmen, ob es überhaupt so aussieht, wie ich dachte. Denn da Maschen leider nicht quadratisch sind, kann man da so manche Überraschung erleben. Und es ist immer viel, viel besser, ein Mini-Teil aufribbeln zu müssen als ein ganzes Tuch oder gar einen riesigen Bettüberwurf. Dafür nehme ich irgendein Garn, von dem ich eine kleine Menge übrig habe und nicht unbedingt das, woraus ich später das eigentliche Modell stricke. Die in der Skizze festgehaltenen Ideen (z. B. darüber, wo welche Zunahmen erfolgen) passe ich im Verlauf des Mini-Modell-Strickens an. Oben auf dem Foto ist das grüne Mini-Modell von der Decke „Angles“ zu sehen.

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Garn und Farben wählen. 
Mit manchen Garnen (Wollmeise Pure!) habe ich schon so oft gestrickt, dass ich mir weitere Maschenproben spare. Dann kommt es nur noch darauf an, eine passende Farbe für das Modell auszuwählen. Da ich auf den Fotos für die Anleitung meistens selbst zu sehen bin, neige ich dazu, Farben zu wählen, in denen ich gut aussehe (Pink!) – dann fühle ich mich beim Shooting wohler und sehe auf den Fotos entspannt und ansehnlich aus. Bei Angles ging es darum, die richtige Farbkombination zu finden: Ich hatte noch ein Knäuel Pink und 7 Stränge Beige von dem schönen Artesano Aran zuhause (daraus wollte ich eigentlich mal eine Weste stricken). Das Garn ist dick, aber weich und erschien mir perfekt für eine gemütliche Decke. Die anderen Farben habe ich passend dazu im Wollgeschäft Mylys ausgesucht. Ich nehme meistens einfach ein Garn, das mir gefällt und achte nicht darauf, ob es sich um Saisonfarben handelt, die möglicherweise schon in ein paar Monaten nicht mehr verfügbar sind. Wer für Zeitschriften oder Bücher Anleitungen schreibt, muss vorher unbedingt mit der zuständigen Redakteurin abklären, welches Garn benutzt werden soll. Da ich die Anleitung „Angles“ – wie fast alle meine Anleitungen – selbst publizieren wollte, war ich völlig frei in meiner Wahl. Um zu entscheiden, welche Farbe zu welchem Dreieck passt, habe ich meinen Buntstiftkasten bemüht und ganz viele Kombinationen aufgemalt. Die schönste ist es dann geworden.

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Demnächst in Teil III: Stricken (so richtig), Fotos machen, Anleitung aufschreiben.

Designing – I

Wie geht das eigentlich, Strickdesign? Darauf gibt es ganz bestimmt genau so viele Antworten wie es Designerinnen auf diesem Planeten gibt. In den kommenden Tagen werde ich einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise geben. Hier ist Teil I, in dem es um Ideenfindung und Skizzen geht.

Die Idee.
Ganz oft ist da ein schöner Strang Garn, eine Farbe, ein Verlauf, der etwas ganz Besonderes werden muss. Zum Beispiel die Wollmeise „Molly“ im Farbton „Dunkle Kirsche“, aus der ich mir einen Zopfmusterpulli stricken wollte, aber keinen fand, den ich mochte. Und so entstand „Joanie“:

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(Die Anleitung gibt es kostenlos bei Knitty.com auf Englisch und hier auf Deutsch.)

Oder ich möchte ein Tuch oder ein anderes Objekt in einer bestimmten geometrischen Form haben, die ich in der Natur, in Büchern, an Gebäuden oder auf irgendeinem Bild gesehen habe: Ein längliches Dreieck, ein gestrecktes Sechseck, das ohne linke Maschen in der Runde gestrickt wird, eine Mütze, die sich schräg-seitwärts modular zusammensetzt. Oder mein neues Design, die Strickdecke „Angles„: ein Rechteck, das ganz aus unterschiedlich großen rechtwinkligen Dreiecken besteht.

Die Skizze.
Dann fange ich an, Skizzen zu machen, ganz schlicht auf Papier. Oft mit Lineal und Geodreieck, manchmal mit Zirkel, und immer mit Radiergummi. Um Zeichnungen am Computer zu machen, fehlt mir die Routine. Und ganz ehrlich: Ich mag schöne Stifte, ich liebe Papier, ich hantiere gerne mit Lineal und Winkelmesser. Ich habe dann das Gefühl, mich an der Schnittstelle von Mathematik und Kunst zu bewegen, was dem Paradies auf Erden in meinen Augen ganz, ganz nahe kommt.

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Mein Lieblings-Zeichenwerkzeug ist übrigens der schon ganz kurzgemalte Graphitstift „Titan 6B“ ganz vorne im Bild: Der macht schöne dicke, weiche Striche. Für grobe Skizzen habe ich unlinierte Moleskine-Hefte oder ich klaue ein paar Din-A-4-Blätter aus unserem Drucker. Wenn es ins Detail geht oder ich Strickschriften ausarbeiten möchte, nehme ich kariertes Papier. Für Fälle, in denen es nicht nur auf Form, sondern auch auf Farbe ankommt, habe ich mir die herrliche Buntstiftpalette hinten gegönnt. Arbeit macht einfach mehr Spaß mit schönen Werkzeugen!

Nun kritzele ich ganz hemmungslos herum und sammle Ideen: Ein Rechteck aus Dreiecken zusammenzusetzen ohne irgendwelche Parallelogramme oder Rechtecke zur Hilfe zu nehmen, war die Herausforderung bei „Angles“. Außerdem sollte das Ganze einfach modular zu stricken sein, ein Dreieck sich nahtlos ans andere fügen. Eine schöne Knobelaufgabe, die mir richtig Spaß gemacht hat. Und irgendwann hatte ich die gewünschte Form.

Übrigens: Längst nicht jede Idee funktioniert, und vieles noch nicht einmal auf dem Papier! Ich habe unzählige Skizzenbücher vollgemalt mit Tüchern, Pullis und Jacken, die dann irgendwie doch nicht das waren, was ich wollte. Aber Papier ist geduldig, und genau dafür ist es da!

Demnächst in Folge II: Warum das Rechnen vor dem Stricken kommt und warum ich immer ganz klein anfange.

Martina meets Meise

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Von der Wollmeise-Seite:

„Lesung von Martina Behm bei Rohrspatz und Wollmeise

Am 09.November 2013 ab 14 Uhr findet in unserem Ladengeschäft in Pfaffenhofen eine ganz besondere Veranstaltung statt.
Wir freuen uns sehr, dass wir die Strickdesignerin Martina Behm, bekannt durch so großartige Anleitungen wie Hitchhiker und Nuvem für eine Lesung in unserem Laden ankündigen dürfen. Dabei stellt Sie Ihr Buch „Stricken macht schön“ vor, präsentiert ihre Modelle und wird natürlich in geselliger Runde Zeit für persönliche Gespräche finden.
Unser Ladengeschäft bietet nur begrenzt Platz und daher möchten wir Sie bitten sich für Ihre Teilnahme bei uns unter support@rohrspatzundwollmeise.de schriftlich anzumelden.
Der Verkauf wird während der Lesung von 14 Uhr bis 16 Uhr eingestellt.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch und einen inspirierenden gemeinsamen Nachmittag.“

Aeolian Shawl

Hier ist mein Sommerferienprojekt:

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Der Aeolian Shawl von Elizabeth Freeman (Anleitung kostenlos bei Knitty.com, auf Englisch). Ich brauchte etwas, das ich einfach nur nachstricken konnte, das aber genug technische Finessen und Details beinhaltet, um abends in der Ferienwohnung genug Unterhaltung zu bieten. Und dafür war dieses Tuch einfach perfekt. Die Anleitung ist ganz toll geschrieben und lässt sich prima stricken – Elizabeth Freeman ist einfach ein Naturtalent für Spitzentücher (es gibt mehrere von ihr bei Knitty.com). Das Garn ist ein dickes Seidengarn („Soft Silk“ von BC Garn), das sich schön verstricken ließ, aber natürlich nicht so elastisch ist wie Wolle. Ein bisschen musste ich immer aufpassen, dass die dünnen Stellen nicht reißen, aber das war okay. Es waren auch einige Knoten im Garn, die ich natürlich rausgenommen habe, so dass später einige Enden zu vernähen waren – aber sei’s drum. Das Ergebnis ist, obwohl ich nur die kleine Version des Tuchs gestrickt habe, riesengroß und wunderschön:

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Es gibt nur ein kleines Problem: Ich bin mir nicht sicher, ob so ein Riesen-Lacetuch zu mir passt. Die Farbe ist ein Martina-Rosa und darum schon mal in Ordnung. Und ich wollte schon ganz lange ein Lacetuch aus relativ dickem Garn haben, weil ich das bei anderen Strickerinnen immer so schick finde. Und ein Tuch, das nicht aus Wolle ist und das ich auch im Sommer tragen kann. Denn ohne irgendetwas Gestricktes am Leib habe ich das Gefühl, meine Strickerinnenseele zu betrügen. Vielleicht wollte ich zu viel auf einmal, denn leider erinnert es mich ein bisschen zu sehr an eine Tischdecke. Und ich bin wohl einfach nicht der Typ für so viel Dekoration – schließlich trage ich auch keine Blümchenblusen oder Spitzenkrägelchen. Oder was meint Ihr? Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich das Tuch verschenken oder für einen guten Zweck versteigern soll. Oder sollte ich es vielleicht doch mal probetragen? Ich bin auf Kommentare gespannt…

Aeolian 3

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Here is my lovely summer project: Aeolian Shawl by Elizabeth Freeman (free pattern on Knitty.com), made of „Soft Silk“ by BC Garn (quite a couple of knots in there, but nice to knit with). For my vacation, I wanted a pattern that I could follow blindly, but that would teach me a couple of things and produce a spectacular result. And it did! The pattern is very well written, the charts are easy to follow, and I truly admire Elizabeth Freeman that she has come up with something like this. I loved knitting it! It became really huge although I did the small shoulderette version with only one additional repeat in the middle part.

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There is only one little problem… Although I think the shawl is really beautiful, I am not sure I actually want to wear it. All the choices I made along the way seemed right: The color is a typical Martina-pink (can’t go wrong with that), and I always wanted to have a lace shawl made of relatively thick yarn because I used to admire that kind of shawl when I meet other knitters who have made themselves one. Also, I chose a non-wool yarn because I really wanted something knitted that I could wear during summer (I kind of feel that I am betraying my knitterly soul if I am not wearing at least one knitted item at all times). Well, but the combination of all of that just seems a bit too much. The shawl sadly reminds me a bit of a tablecloth, and I am not sure I want to wear it. I might not be the type for this much decoration, considering that I never wear flower prints or frilly skirts. I am seriously considering giving it away or auctioning it off for a good cause. What do you think?

Summer Special!

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Lesung

Plakat

Am ersten Juni ist Premiere: Meine allererste Autorenlesung bei den „Wollträumen“ in Aschaffenburg. Bin schon sehr aufgeregt!

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On the first of June, I will do a little reading at a small wool festival in Aschaffenburg, Germany. So excited!

Baggin’

Ich mag Taschen. Nicht die modischen, überkandidelten mit reichlich Pling-Pling und Designerlabel, die locker ein bis zwei Durchschnittgsgehälter kosten, sondern die funktionalen. Mit vielen kleinen Fächern und Reißverschlusstäschchen, in denen alles seinen Platz hat und sofort zur Hand ist. Eine neue Tasche mit meinen Sachen zu befüllen, ist für mich immer en kleines Fest. Wo sollen Labello, Abdeckstift und Taschentücher hin? Wo verstaue ich Pflaster, Desinfektionsspray und Insektenstich-Gel für die Kinder? In welches Geheimfach kommt das Handy, und wo kommt die Busfahrkarte unter? Wenn es gut läuft, ist sogar noch Platz für eine Kinder-Wasserflasche (in aufrechter Position!) und ein paar Müsliriegel, und zwar möglichst gut erreichbar. Für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass an der roten Ampel oder kurz bevor die U-Bahn kommt jemand JETZT SOFORT etwas essen oder trinken muss. Tüten mit Schoko-Croissants oder Franzbrötchen sollten aus dem gleichen Grund am besten auch noch Platz finden. Und, ach ja, natürlich auch noch der Beutel mit dem Unterwegs-Strickzeug.

Während der letzten zehn Monate habe ich ein simples Modell von Crumpler mit mir herumgeschleppt (die „Private Messenger M„) in Dunkelgrün mit Dunkeltürkis (die Farbe gibt es wohl nicht mehr), aber die sieht jetzt schon etwas angeschraddelt aus. Sie war riesengroß, so dass ich sogar noch Regenjacken oder ganze Brotlaibe und 1,5-l -Tetrapacks mit Getränken drin unterbringen konnte, aber leider war das Innenleben nicht besonders organisiert. Die Sachen flogen drin rum, die Wasserflaschen kullerten durch die Gegend und liefen manchmal aus, alles nicht schön. Es war Zeit für eine neue Tasche. Diesmal vielleicht mal wieder was Feines aus Leder, riesengroß und knautschig, mit schön vielen leicht zugänglichen Fächern für die Strickerin, die viel mit der U-Bahn und zwei Kindern unterwegs ist. Aber intensive Internet- und Live-Recherche zeigte: Diese Tasche gibt es nicht. Die müsste ich mir schon selbst machen.

Da kam mir der Online-Kurs von Don Morin auf Craftsy (auf Englisch) gerade recht: Er zeigt, wie man auch mit Näh-Grundkenntnissen Ledertaschen näht, und das sehr detailliert, so dass man auch als Eigentlich-Nicht-Näherin folgen kann. Und schon war ich mittendrin: Leder musste her, und D-Ringe und Karabinerhaken und eine Lochzange und Druckknöpfe zum Einstanzen und Reißverschlüsse aller Art. Ich vermaß mein Handy, mein Portemonnaie und die Kinder-Wasserflasche und machte ein paar Zeichnungen. Und am Wochenende wurde mein erster Versuch aus Nylongewebe fertig. Mit allerlei krummen Nähten und so manchem Konstruktionsfehler, aber es ist eine brauchbare Tasche geworden:

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Besonders praktisch sind die Seitentaschen für Wasserflaschen und die Frontfächer für Müsliriegel und Taschentücher:

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Auch das Futter kann sich schon mal sehen lassen – mit Schlüsselkarabiner und Reißverschlussfach:

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Aber, wie gesagt, alles krumm und schief. Und von der Optik her müssten die Fronttaschen noch größer und der Taschenkörper noch bauchiger. Außerdem habe ich in meinem Eifer die Hand-Henkel vergessen… Aber der nächste Prototyp wird besser! Diesmal werde ich ihn, wie von Don Morin empfohlen, aus Wollfilz anfertigen, denn da muss man wie bei Leder nicht die Kanten versäubern. Und dann, endlich, werde ich mich an diese Schätzchen heranwagen, die ich heute beim Ledergroßhandel Detmer gefunden habe (der Laden ist großartig – hell, geräumig, Riesen-Auswahl und man wird zum Stöbern schön in Ruhe gelassen).

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Und nur zum Spaß, quasi als Anschauungsmaterial, habe ich dieses gute Stück hier beim Internetauktionshaus ersteigert: Eine Bree Lady Top aus den 80ern, die schon ziemlich abgeschrapt aussah. Aber nach einer gründlichen Behandlung mit Lederfett sieht sie richtig schön aus – und sie erfüllt fast alle meine Kriterien für die perfekte Tasche, nur der Extra-Platz für die Wasserflasche, und (viel schlimmer!) das Volumen für das Strickzeug fehlen:

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Diese tolle Taschenaufteilung mit mehreren Reißverschlussfächern haben die neuen Bree-Taschen leider nicht mehr. Aber die Modelle, die schon 20, 30 Jahre auf dem Buckel haben, sind immer noch schön und für wenig Geld zu ersteigern – absolute Kaufempfehlung von mir. Oder man stöbert mal in Mutters Kleiderschrank, vielleicht hat sie noch ihre alte Tasche da hängen und lässt sie sich abschwatzen.

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Und ich tauche wieder ab und melde mich, wenn ich mit meiner perfekten Tasche Fortschritte mache…

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I love handbags. Not the fancy, frilly kind that comes with a big name and an absurd price tag. I like functional bags that let you organize everything neatly into little compartments. My idea of fun is stocking a new bag with my belongings: Where does my lipbalm go, is there room for tissues, band-aids and ointments in case the kids get stung by an evil insect, where does my cellphone go and where my bus ticket. I just love organizing this little cosmos. Ideally, the bag features an easily accessible extra pocket for my kids‘ waterbottle and another one for granola bars, so in the very likely case that one of them needs something to eat or drink RIGHT NOW when we are standing at the bus stop, I do not need to search everything. Plus, of course, there should be enough room for my on-the-go-knitting. During the past 10 months or so I used to carry a big Crumpler tote („Private Messenger M„) which I liked because it was so big that I could easily fit in an entire loaf of bread or a 1,5-l-container of juice. On the other hand, it had no internal organization, and it started to look a little… used. It was time for a new bag. And this time, I wanted the perfect bag. The one that had it all. I started searching online and in real shops (what a pain for a nerd like me), but I had to conclude that if I wanted to have the perfect bag, I had to make it myself.

When I saw Don Morin’s online Class on making leather bags on Craftsy, I took it immediately – and liked it a lot. It is very detailed and even if you have not sewn so much, you feel like you can do it. Don explains everything from inserting zippers to preparing the leather. So I started getting my stuff together: D-Rings and fabrics for the lining and straps and snaps and such. Today, I went to this wonderful leather store here in Hamburg and picked out some nice scraps that will do just fine for making my bag.

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Meanwhile, I made a sort-of-prototype, or rather first-try-bag out of nylon fabric. I am not a big seamstress, so the seams are crooked and I made a couple of construction mistakes, but it is a usable bag. I used Don Morin’s instructions to make the lining and add a zippered pouch, and it worked just fine! My next prototype will be in felted wool as Don advises, because that way I will not have to bother with fraying edges and the like. Also, I want the front pockets bigger, a wider bag bottom, a detachable strap and additional handles.

Also, just to have a look at how it’s done, I bought a vintage bag on E-bay. It’s probably from the early 80s, and it has aged really well (the brand is Bree, a German Manufacturer of handbags). It looked very worn, but after an intense rub with leather oil it looks really nice. Back in the days, they put in lots of compartments and little zippered pouches in their bags, and I find that this one is actually pretty close to my idea of the perfect bag – except: the outside pocket for the water bottle is missing. And there is not enough space to fit my knitting. So watch this space, I will be back with progress on my perfect knitter-who-commutes-a-lot-with-2-kids-bag.
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Yarnbomb

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Letzte Woche war heftig: Mittelschwere Schulkatastrophe (Kind I), 40 Fieber (Kind II), Kindergeburtstag vorbereiten (dafür musste ich knapp 100 Muffins backen), Kindergeburtstagsfeier erst wegen Regenwetters umdisponieren und dann mit 12 Kindern bei uns im Haus durchführen, Mann auf Geschäftsreise verabschieden und Kind II bei Oma abliefern. Und dann noch eine Steuerprüfung händeln. Es war also an der Zeit für ein bisschen Spaß: sinnlos, bunt, und natürlich aus Garn. Und hier ist mein Ergebnis: Ich habe unsere Haustür geyarnbombt.

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Das hatte ich schon lange vor, eigentlich schon im Winter, weil dieser Metall-Türgriff dann immer unangenehm kalt ist. Ich habe ein langes Rechteck aus buntem Baumwollgarn (Grignasco Carina) gehäkelt, dessen Breite ungefähr dem Umfang des Türgriffs entspricht. Es sind einfache feste Maschen – das ist zurzeit noch das einzige, was ich beim Häkeln beherrsche. Die Fäden habe ich nicht vernäht, weil ich die zum späteren Zusammennähen benutzen wollte. Die restlichen Fäden bleiben im Inneren des Türgriffbezugs versteckt, also brauchte ich mich um die auch nicht zu kümmern.

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Jetzt sieht es schön bunt und freundlich aus und fühlt sich auch gut an. Man beachte, wie toll die Farben mit unseren Fingerfarb-Fensterbildern harmonieren. Jedes Mal, wenn ich die Tür aufmache, werde ich darüber lächeln. Wetten?

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Last week was a challenge. A medium school crisis (kid I), severe fever (kid II), preparing a children’s birthday party by baking almost 100 muffins, changing the plans for the outdoor party because of bad weather and ending up with an indoors party with 12 seven-year-olds, sending my husband off on a business trip to Colombia, taking kid II to grandma’s and (on top of it all) handling a tax audit. Phew, it was really time for some fun. Colorful, useless fun involving yarn. So I yarnbombed my house, which I had planned for quite some time (the original idea was to make the metal handle nicer to touch during winter, but I guess I let the window of opportunity pass).

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I crocheted a long skinny rectangle that is as wide as the door handle’s circumference unsing cotton yarn (Grignasco Carina) and single crochet (that’s the only crochet stitch I am familiar with at this point). I did not bother weaving in the ends because I knew I would use them for sewing the rectangle on.

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And here it is! Look how nicely it matches the colors of our window paintings. I think it will make me smile every time I come home!

Saviano

Es gibt schon ein paar Zeichnungen, ein paar Entwürfe und Ideen, aber noch nichts Konkretes. Das Garn für die Maschenprobe und den Prototyp ist noch nicht ausgewählt, manche Konstruktionsdetails noch nicht ausgereift. Ich muss noch mehr nachdenken, bevor ich mein neues Modell anstricken kann. Und ausgerechnet in diesem unangenehmen Schwebezustand wurde am Samstag Abend das Paar Kindersocken fertig, das ich als Notfall-, Unterwegs- und Übergangsstrickzeug benutzt habe. Nichts mehr zum Stricken! Und das am Wochenende! Eine halbe Stunde Herumkramens in meinem Wollvorrat und ein Blick auf meine Ravelry-Queue brachten aber schnell die Lösung. Es sollten ein paar schöne Socken für mich werden, welche, die richtig was hermachen, aber nicht so kompliziert sind, dass ich ständig in die Strickschrift gucken muss. Und natürlich Toe-up (also an der Spitze beginnend), denn ich finde diese Methode am angenehmsten. „Saviano“ von meiner Lieblings-Sockendesignerin Yarnissima standen schon ewig auf meiner Liste, und jetzt war ihre Zeit gekommen: In Wollmeise Twin, Farbe Magnolie Dark kommt da Muster sehr schön raus. Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten mit dem Zehenteil: In der Strickschrift kommt man insgesamt auf 32 Maschen pro Nadel, im Text ist von 58 die Rede. Und die Abkürzungsliste ist im letzten Chart versteckt. Gerade noch rechtzeitig habe ich gesehen, dass diese Socken eigentlich für dickeres Garn gedacht sind und die Maschenprobe nicht hinkommt. Aber mit einem Mustersatz mehr werden sie trotzdem lang genug. Genau das liebe ich am Stricken: Für jedes Problem gibt es eine einfache Lösung. Und das Ergebnis ist immer warm, weich und schön. So wie dann irgendwann diese Socken.

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Yes, there are a couple of sketches, some schematics and Ideas, but nothing concrete. I have not picked a yarn, so I cannot knit swatches or prototypes. Some details are still obscure. I will have to do some more thinking before I can knit my new design. And just in this situation, on a Saturday night, I finished a pair of socks and was without any knitting. Luckily, a little bit of stash diving and a peek at my Ravelry queue brought the solution: I wanted some pretty socks for myself (son being very ungrateful for handknitting socks lately), not too complicated, and toe-up (that method just makes sense to me). „Saviano“ by my favorite sock designer Yarnissima had been on my list for quite some time, and now their time has come (in Wollmeise Twin, Magnolie Dark). After some minor difficulties with the stitch count in the toe (pattern says 58, chart says 32 on each needle), figuring out where the abbreviations for the charts were hidden (in the 3rd chart) and a just-in-time revelation that the socks were designed for a different gauge of (26 stitches on four inches, while I was knitting at 32 stitches on four inches), everything is fine. I added a pattern repeat on the foot, went with a total of 64 stitches and am finding the result very appealing. That’s what I love about knitting: There is always a solution for any problem that pops up. And the results are always warm, soft, and pretty. Just like these socks will be one day.